19 - 07 - 2018

17. Februar 2017

Reinhard Rakow
die heimkehr des odysseus


komm lass uns nach hause gehen
die reise war weit und müde
sind meine füsse vom langen
marsch durch die ebenen trocken
meine haut vom salzigen wind tief
in den höhlen da kannst du mich suchen

ach die tage waren sehr lang und voll
an ehren und aufmerksamkeiten zuhauf
dein brot täglich zu dir genommen am
kalten büffett zwischen lachsschnitten und
kräckern den pikkolöchen im zweireiher
mit fliege höflich das lachen befreit nach
der wahl zum nächsten posten der nächsten
sitzung nächsten ausschuß höheren
ehren kostbareren düften dickeren
autos superplus super qualmend
havannas der qualm in langen fluren
fensterlos langen fluren zu ober-
unt´ staatssekretären gerötet den teppich
und wichtig mit grüner tinte der
bedeutung angemessen die leiter
deiner erfolge

ach die straßen waren so lang und so endlos
die fluchten das grau von zement von
asphalt spiegelt in lachen von regen und öl
fahren nur fahren stundenlang tagelang
fahren meile für meile fliehen den
alltag gleichförmig berauschend
benzin-high fortlaufende wattzahl lautsprecher
vernebelt drei liter schwebend
auf sitzbeheiztem ledergestühl
um den schaltknauf edelmetallen
die rechte die hoffnung das herz
den gasfuß zum anschlag fliegen
nur fliegen stundenlang fliegen
fliegen die brücken die schilder
die wälder die brücken und fliegen
und fliehen den alltag

ach die städte waren so kostbar und voll
der annehmlichkeiten des schönen scheins
der zerstreuung paläste gediegen gefüllt
mit schönen menschen zerstreuend
die leere der bahnsteige der
bahnhofsuhren gnadenlos laufend
vernichtend die leere der zeit
im schönen schein der neonreklamen
da draußen und flackern aufregend
im dschungel der großstadt verwegen
die zeiten überall schöner
die tempel des einkaufs der lüste
zu kosten zu teuer vorgebend die
höhe des geldes die tiefe der
sehnsucht die schwärze des
scheins

du ich habe sehnsucht nach
sperrmüll komm mit
mir heim in den unrat den sammelplatz von
sich-gehen-gelassenem ans
lagerfeuer der uneitelkeiten bedeckt
mit lagen von flockigem hausstaub auf
kübeln steinhart gewordener brote an
türmen achtlos ungelesener bücher margarine-
gefettet kaffeegetränkter zeitschriften an
wänden die gelb sind und naß sind von
spor und von pisse von katzen die
haare sich paaren mit
fliegendreck schmeiß-
fliegen sich laben an
verwesend der leiche
einer beziehung

komm lass uns nach hause gehen
die reise war weit und müde
sind meine füsse vom langen
marsch durch die ebenen trocken
meine haut vom salzigen wind tief
in ihren höhlen da findest
du meine augen