24 - 06 - 2018

19. Februar 2017

Reinhard Rakow
Auf meinem Weg


Auf meinem Weg die Geraden. Links rechts ganz außen. Daneben, beidseits, in neunzig Grad und Farblichkeit inkompatibel. Erst das Geröllhafte! Findlinge Brocken Steine, Splitter gar. Einer ließ die Türe offen, jetzt strömen sie herein. Natürlich denkt man immer: muß so. Streng und weißt schon. Ha! Darf man nicht alles glauben. Der ist ja schon über, na jedenfalls nicht mehr modern.

In meiner Heimat die Schulen. Beton, soweit man blickt. Käfiggehaltenes Menschenklein beim Üben von Auslauf, darüber ne Süßwolke Dope. Clock Hahnenschrei Ende der Pause. Auf dreißig komma zwei Köpfe, herausgeputzt mit Lack, grün, lila, echtgelb, henna je eine Filzmatte mittellang und weißgrau. Im Saniraum riechts feucht nach Möse. Im Klo der Kondomat klemmt. Damals schon der auch.

Und dann der Blick nach vorn. Voll ungemalter Bilder. Aus Schwarz-und-Weiß-Schraffuren schält Farbe sich wie aus verdorbnen Tuschen. Wenn du die Brille absetzt. Oder wenn du die Augen kneifst. An Rändern ungeschärft. Und eine Million Gedichte. Wahrscheinlich aber mehr. Und alle, ohne "alt" nur zu denken. Ob das noch Streifen sind? Verwoben und fahrig wie Helix. Vielleicht

auch Schlangen aus Linien. Weiß man wenigstens wohin das nicht führt. An den Seiten die Irrtümer. Sehnsuchtsabraum, Halden aus Fluch. Verwünschungsdeponien an Farbseen rot wie erhitzte Milch. Am Horizont kräuselt die Gnade. Hat für sich entschieden, daß alles gut werde. Der Rest bleibt links liegen. Warum auch solls nicht funktionieren. Nicht alles zerreden, vertrauen. Schau vorn doch

auf meinem Weg die Geraden
die Streifen die Locken
das Licht.