26 - 11 - 2014

22. Dezember 2013

Reinhard Rakow
don´t think twice

weisst du noch, wie wir ankamen, es war
ziemlich spät; die straßenlaternen gingen
gerad´  an, aus glühwürmchengröße er~
blühend, nacht, schatten, ich konnte die bord~
steinkante kaum sehen, mit dem rechten

reifen hab ich sie erwischt, vorn rechts, ich
spü~rte genau, das war die felge, zog dann
den schlüssel schnell ab, ich wollte ja nicht
noch später kommen; ein leichter regen um~
fing uns, kalt nieselnd, wir rannten, hoch gezo~

gen die schultern, fluchten wir leise in uns hinein,
hofften, wir würden das haus bald erreichen,
das grosse in dem, er ein konzert gab; die leute,
die mit uns hin strömten, waren echt gut drauf,
sie lachten, man merkte, sie kannten sich lan~

ge, und ihn, ja ihn erst!, man war zusammen schon
sehr lange zeit; gepflasterte straße; warmtö~nende
leuchten, die tauchten; gedämpfte fetzen, wort~
brei, freude, erwartung, ein kichern, sehr hell, flog
über die köpfe, man stand in der schlange; verweg~

ne gestalten in selbststrickpullovern machten die
kasse, gekräuselte fäden vom tabak der eilig
gedreh~ten zwischen den lippen, smalltalking über
anlasser fürn daimler vom kumpel, die schlange
anwachsend, man stand in der schlange; von drau~

ssen kam´ leute, jetzt klatschnass, ich trat aus der
schlange, plakate zu lesen, bleib du hier, ich will
nur; damals in frankfurt hab´ ich ihn schon mal; auf
den plakaten sieht er ganz anders, man wird eben,
´türlich, nicht jünger; damals hieß sie anna, die welt

war noch unglaublich - heil; in der halle ein summen
viel~stimmig, die luft gesättigt von regen, regen und
schweiß, vom turteln von pärchen, untergehakt sich,
zwei meter sie gingen, unwillig, umarmten, fest hielten,
ein kuss auf die nase, den mund, warum geht es nicht

weiter; ein rentner, ein muttchen, der lange, die dralle,
die da unterm schirm; ob einer wohl mal die tür wieder
zumacht, nun wart doch, ich komm schon, nur noch ein~
mal sehn; schau, wie groß die plakate, doch er ist jetzt
kleiner und fast ohne haar, und anna verließ ich für dich;

echt komisch, an sich spielt er gar nicht gut, viel schlech~
ter als der oder der oder der, und kann auch nicht singen,
eigentlich gar nicht singen, aber zusammen:
..............
und sie hat nicht mal was in der bluse und schön ist

sie auch nicht; wenn man in den flur trat, wars dunkel,
der schalter war nicht zu finden, mit schwarzer farbe
besprayt und es roch; zwölf schritte, die wand lang, dann
tasten, so findest, die funzel kaum vierzig, watt und
die kante war kaum zu sehn, verhuschte klänge: die

callas: aida, ein besoffener brüllte, die alte mit warzen
auf der schiefen nase sang mit, die maria, von draußen
das strömen, verkehr, nach feierabend, und nach kanin~
chen, es roch nach kaninchen, die kleine von oben hatte
kaninchen, im flur gehalten, es roch, roch auch nach regen

und schweiß, in der ecke zur treppe standen die schir~
me, gespannt und zerfallen und tropften, die funzel
war schnell ausgegangen, du musstest den schalter noch
einmal suchen, die stiegen, sie knackten, sie rochen
nach holzwurm und kohl; die kleine von oben wirkte

verängstigt, sie stand fast so da, so wie du jetzt, warum
mir das wohl, erst jetzt wieder einfällt; vorm dritten, im~
mer vorm dritten wurd´s schon wieder dunkel, sie fluchte
leise, im stolpern, in sich hinein, ich sagte, so langsam
wird´s zeit, die alte, sie schwieg nun, verschreckt durch

das stolpern, der besoffene schwieg nun, wohl ein~ge-
schlafen oder erstickt, und selbst das fluchen war still
nun, wo~möglich war sie beleidigt; nein, denk nur nicht
daran, es ist schon in ordnung, plakate, die zeit; weisst
du denn nicht mehr?, ach das warst gar nicht du -

das grosse haus lag still im dunkel, im regen, sie strö~
mten an ihm vorbei, als ich nach haus kam; wir hatten
plakate, plakate gesammelt, und keine tapeten, rot
war´n sie, konzentrische kreise, nach innen stets
gelber, manchmal träum ich von ihnen und wie die

alte; und dann sang er bob dylan, und ich krieg feu~
chte hände, eigentlich sprach er, nur drei akkorde, mehr
als drei griff er noch nie, schon jetzt ist er heiser,
am besten du hö~rst, ihm einfach still zu, versuchst, nur
ihn anzusehen, und dreh dich bloß nicht um, während ich --

weisst du noch, wie wir damals heim kamen, es war
ziemlich spät; die straßenlaternen wollten
erlöschen, zu glühwürmchengröße ver~
siegen, nacht, schatten, wir konnten
die bord~stein~kante kaum sehn.