22 - 06 - 2018

Bärbel Deharde

Und nun, meine Damen und Herren, tauchen Sie ein in die Ausstellung, lassen Sie sich treiben von Bild zu Bild, lustwandeln Sie von Skulptur zu Skulptur und wieder zurück, spüren Sie dem Gefüge der Formen und Flächen nach, lauschen Sie den Klängen der Farben, seien Sie inspiriert, infiziert von Freude, Dynamik und Witz, von Kraft und Esprit, die diesen Arbeiten innewohnen, kurz: Freuen Sie sich, hier und heute dabei sein und diese Werke auf sich einwirken lassen zu dürfen. Meine Damen und Herren, Danke für Ihre Aufmerksamkeit, Tschüs!

Morgen war ich dereinst im Aquarium. Ich löste mein Ticket, begab mich nach unten, wurde, kaum angekommen, hinfort gespült von den Wogen, es war Flut, weißt du, Schubert lief aus dem Siel oder Hendrix oder John Lennon oder Miles Davis, die Nato erwägt im Kampf gegen den lybischen Machthaber den Einsatz knitterbunter Drachen aus Seidengaze, und dann werd ich ans Meer gehen, Schlick stechen, gestern, Nein vorjüngst, Nein, Kampfemanze bin ich nicht, aber

TROMPETEN d.d.d.deed tsching

Unabhängig von Motiv und Sujet fällt dreierlei ins Auge: Erstens: die Gabe und die Bereitschaft der Künstlerin, sich auf das Wagnis neuer, oft vom Zufall gesteuerter Bildfindungs-Verfahren einzulassen, Zweitens: eine im musikalischen Sinne impressionistische Raumkompositorik, die ein die Gefüge erschafft, das danach drängt, jegliche Umgrenzug zu überwinden, was im Zusammenspiel mit den gewählten Farbwerten einen flirrenden, brodelnden, vibrierenden Grund für die jeweiligen Inhalte ergibt, und drittens das naturhafte Gespür für aus sich heraus warm leuchtende, intensive Farben, Farben, deren Wirkung für den Betrachter nicht erklärbar ist ohne das eingangs angesprochene Lodern, geboren aus

miles

minthgrüne trompete gekühlt
schiebt sich ein bild zwischen die töne
und deine schatten vom himmel
schwebt klappern von schlangen
dein bild vor achtelpunkten

zärtlich in lindrotem wind
das rascheln der conga entgleitet
nackt deiner hand ein vlies
zinkgrauer asche gen boden gefriert
zu musik dir den sommerabend

Geboren ist sie in Sanderbusch. Studium Kunst Hochschule Bremen und Uni Oldenburg. Anschließend zeigt sie ihre Werke bei zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland, den Niederlanden, Polen, Frankreich, Italien und den USA. Malerei, Schlick-Objekte aus dem Wattenmeer, Stahlskulpturen, Installationen, Performances, gerne im Verein mit Sound und. Seit gut zehn Jahren wachsende Affinität zu interdisziplinären, genresprengenden Projekten wie „Unsichtbare Sehenswürdigkeiten in der Wesermarsch", „Vertellstöhl – Hörstühle", "Hypatias Töchter", "anKAra", sie gilt

In the town where I was born,
Lived a man who sailed to sea,

Herr Rakow?! Ja ... Können Sie das nicht nachlassen? Wie meinen? Diese Undiszipliniertheiten, ich meine, dass Ihnen dauernd diese Musik, wie soll ich sagen, dazwischen gerät, beziehungsweise rausrutscht.. Schließlich ist das hier | Die Musik rutscht mir nicht raus, die mach ich EXTRA

And he told us of his life,
In the land of submarines,

Nein, kein Trakl-Geflute schwarzblau und grün und dunkel und öde und bäh, und auch kein Glasbassin von Lehr, wo einem auf Kopfhöhe die tiefgekühlten Wasserleichen entgegenschweben türkis und eisblau, reduzierte Palette, fürnehm unterkühlt, fast monochrom

TROMPETE

"Signale", "die andere art", "Hypatias Töchter", "Ios Traum", "besetzt", "Aktion Ende", "Im Labyrinth der Kunst auf der Suche nach der Frau", "KunstGRÜN", "Klangkunst", "Mitten im Leben", "Witte Ollifant", "anKA-ra", eine Skulptur reist um die Welt, "Visionen und Materie im Klang der Farbe", "Seven up to heaven?", "Unsichtbare Sehenswürdigkeiten", "Vertellstohlpad", 16.200 Einträge bei Google, Als eine der bedeutendsten Künstlerinnen der Region, gilt, nein: IST SIE, und zwar nicht nur wegen der handwerklichen, bildkünstlerisch-ästhetischen wie intellektuellen Qualität ihrer Beiträge, und auch nicht nur wegen der Breite des Spektrums, innerhalb dessen sie sich zu äußern versteht, und auch nicht nur wegen der Dichte des Oeuvres, nicht einmal wegen der Vielzahl von Werken und Projekten, entstanden gleichsam in stetem, nicht abreißenden wollenden Schaffens-Fluss , sondern nicht zuletzt deshalb:
Weil sie es wie kaum eine andere verstanden hat, Menschen für Kunst zu begeistern, Menschen, die ihre Ausstellungen besuchen, aber auch und vor allem Menschen, die im öffentlichen Raum, oft genug unvermutet, über ihre Kunst förmlich stolpern, sie wahrnehmen, sich mit ihr auseinandersetzen, auseinander setzen müss

Wenn ich ein Bild anfange, weiß ich meistens nicht, wo es mich hinführt, Ich beginne zu experimentieren, zu spielen,

Sie, die Lockspitzelin der Schönen Künste, entführt das Publikum mit Schwung, Charme und subtil-provokativem Witz in Gefilde, in denen sich es sonst kaum bewegt, das sogenannte breite Publikum, HÖR~ST.ÜHLE, Een Eeemer in Stollham, Auf der Suche nach Salzstreuern, einen, in Stahl stilisiert drei 50 hoch, auf dem Schönhof bei Heumann, am 14. Mai könn Sie dabei sein,

So we sailed on to the sun,
Till we found the sea of green,
And we lived beneath the waves,
In our yellow submarine,

begehbar in Schneckenform, wenn Ministerin Wanka

Wissen schadet nicht, Denken nützt, auf jeden Fall, man soll die Leute ja nicht unter Wert,

Frau Deharde, Hören Sie beim Ma| Ja, Sechziger, klar, Klassik rauf und runter, aber auch Jazz, in meinem Atelier steht ein Fernseher, da laufen Nachrichtensendungen, Phönix, N24 und so, und da, Oder auch Jazz, und seit einiger Zeit gerne auch, da hat mich Ute Extra drauf gebracht, Ohne zu wissen, was daraus wird, Erst allmählich, während des Arbeitsprozesses, finden sich Bilder, Bezüge,

Going where the orange sun has never died
And your swirling marble eyes shine
Laughing
Burning through the light
Bittersweet the drops of life
Memories
only fading
Fancy Colours, fancy Colours

Fragmente, die x-mal übermalt werden, Spachtel, Pinsel, Tuch, und neu angelegt, und wieder übermalt, und dann schält sich aus diesem brodelnden Chaos

„Sie liebt die Farbe und bringt uns damit Freude in den grauen Alltag. Ihre Kunst ist offen und spricht jedermann an", sagte Michael Henneberg. Die Laudatio des stellvertretenden Geschäftsführer der Oldenburgischen Landschaft galt Bärbel Deharde. Die Tossenser Künstlerin ist die Gewinnerin der Goldenen Krabbe, des Kunst- und Kulturprei

Und wir, mein Damen und Herren, sind heute im Zentrum des Schaffens dieser von Kunst beseelten, befeuerten, vor Schaffenskraft schier überbordenden, atemlos fetzig freundlichen Dynamikerin angelangt, im Ausgangs-, Dreh- und Angelpunkt der Spirale all ihrer Werke: der Malerei, Und allmählich erkennen und schaffen wir Struktur, sie wächst quasi während des Rausches der Fertigung, während des Malens, aus sich selbst: Allein über ihre Verfahren -- Ja, es schon mal kommt vor, dass sie mit so etwas wie einem Ziel, oder besser: Mit einer Vorstufe von Ziel einem Bild sich nähert, das Aroma von "So was in der Art könnt ich mir denken" bereits auf der Zunge, seltener, dass sie sich einem wirklich feststehenden Thema ausliefert, und selbst dort erhält sie sich die Freiheit der spontanen Entscheidung -- könnten wir VHS-Kurse befüllen, Über Details der Technik (Acyl, vorwiegend Spachtel, die Zeichnungen, Umzeichnungen gerne ex tuba, mit feienen Aufsätzen von sonstwoher,
And we lived beneath the waves,
In our yellow submarine,

Also ich kann das nicht, dieses Monochrome, habs mal versucht, da sträubt sich mir der Borstenpinsel, Das ist nicht mein Ding, Was ich brauche,

In our yellow submarine,

Was Bärbel Deharde braucht, das sind kräftige Farben: Knalliges oder wärmendes Gelb, ein Sonnenorange, das mitten ins Herz trifft, ein loderndes Lippenstiftkussrot, Purpur, Tizian, daneben, fast schon ein verschobener Komplementärkontrast, dieses sensationell leuchtende, glühende Maiknospengrün, Selbst Blau tritt hier zuweilen auf, gern nächtlich bestochen, schwarz fast und wirkliches Schwarz

Fancy Colours, fancy Colours
All we ever´d see
Fancy Colours

und stehen in dieser Ausstellung, erschlagen von Freude und Farbrausch, und wissen nicht, wo fangen wir an und wo hören wir auf, Gestern also, im Aquarium, als Schubert strudelte und Miles Davis gluckste, inmitten dieser leichtschönen Welt voll apricotfarbener Fluten

ganz zu schweigen von diesem biomorph lebenden Strich, aus dem die Zeichnungen sprießen anmutig leicht, leichthändig Farnblätter in verspieltem Wind

Der Schwung, vielleicht ist er der Schlüssel, der Schwung, der das Wasser bewegt, Drachen empor steigen lässt, durch den Alltag trägt, Klammer auf: wenn allzu engagiert, schon mal aus der Kurve, naja, Klammer zu, der Schwung, der dennoch alles fügt, zusammenhält, bevors explodiert, der sich einem mitteilt beim Lesen der Bilder, Skulpturen, Installationen. Wenn Sie zum Beispiel auf WATTART gehen, WATTART.DE, Home, und sich diese Handschrift ansehen, rechtsgeneigt, vorwärts drängend, in weiten, doch nicht exaltierten Schwüngen, Raum greifend, aber nie spitzig-aggressiv, wie sich ein Zeichen aus dem anderen entwickelt, sehr organisch, nicht aufgesetzt, nicht mal als Kalligrafie, diesen unglaublichen Drive umhalsender Mitteilsamkeit, Es gibt, liebe Gäste, diese wunderschöne riesengroße Liebesbrief-Installation, aber keine Bange, auch hier und heute

keine stinknormale Ausstellung natürlich, hingehen, ansehen, Piccolöchen und abhaken und weg, das war gestern, hier tönen die Bilder und singen

We all live in yellow submarine,
yellow submarine, yellow submarine,
We all live in yellow submarine,
yellow submarine, yellow submarine.

begegnete mir Ringo Starrs Octopus (I like to be under the sea), um genau zu sein: einer seiner acht Arme, ein wenig gewunden wie immer, er kann sie ja nicht stillhalten, Weiß trug er heute, Weiß mit schwarzen Punkten, äußerst apart, wissen Sie, ich habe noch nie ein so farbiges Weiß gesehen, noch nie ein so buntes Schwarz wie hier unter See, bunt und gut, in Begleitung einer Art Tigerente, am Blubbern

bei der Schneckenfrau, nur zum Beispiel, nachvollziehen, wie sich eine Form aus der andren entwickelt, in sie übergeht, im Repoussoir, dahinter, flankiert von Fragmenten, übermalt, stehn gelassen, eine wirbelnde Jonglage mit den Lettern ihres Formenalphabets, schlankeleganten Silhouetten, Schlangenlinien, Spiralen, Amöben, Blasen, Kreisen, Punkten, Der Punkt ist mein alles, Nähten, gestrichelt, alles ist mit allem verbunden, alles bewegt sich, dazwischen Handschrift, hingeworfen, hineingekratzt, als grafisches Kürzel neben

Drei-, Vier-, Vielecken, oder führen Sie sich den Indian Summer zur Seele, inhalieren Sie seine

Herbstfarben
Herbstfarben zu träumen.
Beiläufiges Beige absterbenden Schilfs
vor Büschen verknüpfend Magenta.
Darüber ein Streifen Nichtswald
bevor dort ein Chromgelb fetzt
und birkenweiß Blätter strudeln
hinab in Schläge Orange,
grün ausgefranst an den Rändern,

FANCY COLOURS
All we ever´d see
Fancy Colours

oktoberberwind
flute lohgelb mein gehirn
laß die drachen steigen, knitterbunt
küssen die fransen im wolkenperlmutt
fliege!

Sie finden die Schwünge der Handschrift wieder in den Stahlskulpturen, — Nein, selbst gemacht, teils aus Fundstücken, und ich habe ja einen Plasmaschneider —, den großen, tragenden Linien, auch in den Tentakeln, den Borstenantennen, und natürlich in den Zeichnungen, der Malerei, "Die Linie muss stimmen, sie zeigt, wes Geistes Kind einer ist", Zitat Emil Schumacher, wo eine Wellenlinie plötzlich zum Pfeil wird, der nach draußen will, durch die Galaxie fliegt,

der Punkt als Halt und Haltestelle, gewissermaßen die Erdung der Lineatur,

bestimmt keine Kampfemanze, aber die aufgezwungene Anmut, mit der Models sich bewegen müssen auf dem Laufsteg, der gekünstelte Wurf ihrer Schultern, diese prätentiösen Catwalk-Knetfiguren, Eines der seltenen Besipiele übrigens für Bildfindung entlang einem vorbestehenden Thema,

oder die Blasen, von denen keiner weiß, ob sie auf steigen oder ab, so dass man, obwohl Figuren und Formen und Zeichen ihre Ausrichtung haben, gewiss doch, dennoch nie wirklich wissen kann, woran man ist, irgendwo zwischen Max Ernst und Miro vielleicht, oder ALLOVER gepainted, wohin es führt, dieses Schwingen und Brodeln

Ich glotz TV
Ich glotz TV
2 4 5
Alles so schön bunt hier,
ich kann mich gar nicht entscheiden!

man muss schon genauer hinschauen, mitdenken, aufpassen, wo hinten und vorn ist, wo oben, wo unten, was das soll, damit es sich fügt, Intellekt, Poesie und Sinnlichkeit, dieser heilsame Dreiklang, Sich dem Reiz der Vielschichtigkeit und Fragmentarität stellen, sich auf die Rätsel einlassen, bevor man sie doch nicht lösen kann, Ich nehme immer den tieferen, sauerstoffarmen Schlick, der ist dunkler, und je nachdem, welche Schicht ich erreiche,

And we lived beneath the waves,

als ob nicht du
gaia gütige mutter den ewigen urschlamm
die fruchtbare, köstliche krume
die bröckligen löße, die zärtlichen sande
die durchtränkten steine, geschicht´ und in flözen
ablager, verworfen, vergoren, gewässert
als ob nicht

In an octopus' garden in the shade

Schlick bedeutet mir sehr viel, er ist Materie: Erde, Salzwasser, Luft, abgestorbene Pflanzen, Gase, Neues entsteht, Bringt mich runter, das ist meine Erdung, ich bin ja so ein Typ, der manchmal alles zugleich will und manchmal vielleicht auch, da ist Schlick, Und dieser dunkle Schlick mischt sich gut mit dem Acryl, das Grau, mal heller, mal dunkler, je nachdem, dieses in kostbaren Tönen changierende Grau, das Bildinseln umströmt wie Salzwasser bei Flut, das die Wässer umarmt wie Aquariumsglas, das sie bändigt, schützt und beruhigt wie Erdmutter Gaia, die Gütige, dieses Grau

Meine Damen und Herren, ich darf mich Ihnen artig vorstellen, mein Name ist Reinhard Rakow, Frau Deharde hat mich gebeten, einige Worte, Es war mir eine große Ehre, und Ihnen, hoffe ich, vielleicht ein wenig.

Viel Spaß mit der Ausstellung wünsche Ihnen, schönes Wochenende!

 

2011