22 - 02 - 2018

zum muttertag

zum muttertag


roter strauch auf der berme, namlose fahrer,
keinen, den ich kennte —
im rhythmus des pulses schwellen sie an und ab
in mir, an und ab...
hier war ich zu haus? jemals? bevor gar das schandmal
sich brannte in mein gedächtnis? kohlweißlinge,
krähen, andres ungeziefer, verkabelt,
geräusche am strang, eine peitsche...
heimat hatte ich nie. niemand, der mich nicht
gering hielt, keiner, der mich suchte
(und derer, die´s wagten, wurd ich überdrüssig),
nirgendwo gehörte ich hin.
sie rasten vorbei,
kaum zu erkennen, und wenn,
übt´ ich mich darin,
sie zu vergessen —

dies schabende geräusch... eingekleidet
in feuchtgraue wärme, in dämpfe, stickig und heiss...
dieser geruch von frisch fettigem fleisch, das rühren
durft´ nicht zuviel sein, sonst platzten die häute
der früchte, der sud brannte an, bitter
schmeckte die marmelade, oder
nach unterhosen, baumwollen,
in billiger seife, nimm den lang~
stieligen löffel und rühre
gleichmäßig,
rühr immer
nur weiter,
ja rühre —

die kreise, die ziehen, sind flüchtig
wie qualm siecher kerzen. das ewige licht
stirbt
in einem blechnapf —
als mein großvater ging
im fieber sibirischer fliegen, umschwärmten
mücken den riss seines schattens, sein weib blieb
umschattet zurück, seine tochter... — gebar
mich. oft bin ich ihrer geflohen. breit saß sie
auf ihrem stuhl in der zu engen küche
und schälte kartoffeln, die hitze
war unerträglich, im feuer des
herdes platzten nassgrüne hölzer
und keiner wußte, wie weiter,
womit.
daran erinnre ich mich.

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