16 - 08 - 2018

Joyce DiDonato in der Glocke

Sie kam, sang und siegte: Joyce DiDonato, Mezzosopranistin aus Kansas (USA), Echo-Klassik- und Grammy-Award-Gewinnerin, brachte bei ihrem ersten Auftritt in Bremen die Glocke zum Toben. Drei Zugaben, ungezählte Vorhänge und das ganze Reservoir kollektiver Konzertentzückung vom braven "Bravo" über Trampeln im Sitzen bis hin zu Juchzern und Jubelschreien im Stehen honorierten einen Abend, der anfänglich nicht so wirklich in Wallung kommen zu wollen schien.

"Drama Queens" zählt zu den Programmen, die eigentlich verboten gehören, weil nichts sie eint als der Vorsatz, anhand erlesener Rosinen aus unterschiedlichen Werken dem Interpreten Gelegenheit zu verschaffen, sich optimal ins rechte Licht zu rücken. Im Falle DiDonato ist das unterm Strich gelungen. Was sie am besten kann, ist Koloratur, also enthält "Drama Queens" — so auch der Titel der neuen CD — Koloraturarien, von Händel und Monteverdi, von Gluck und Hasse, von Porta und Cesti und von Orlandini. Dazu ein auf den Leib geschneidertes Orchester als verlässliche Stütze und Atempausenfüller, und die Schau kann steigen. Bremen indes zierte sich vier Rosinen lang, bis der Funken zündete. Zum Initialzünder wurde der russische Barockgeiger Dmitry Sinkovsky, der DiDonatos Begleit-Ensemble "Il Complesso Barocco" leitete, mit Vivaldis "Pisendel"-Konzert. Er ließ die Mitstreicher die Sechzehntel setzen, als würden sie von Stromschlägen durchzuckt, legte selbst eine artistisch furiose Kadenz hin, und der Saal geriet endlich aus dem Häuschen.

Von da an gings bergauf auch für DiDonato. Eine Giacomelli-Arie sorgt für angemessenen Pausen-Applaus, zweimal Händel ("Piangero la sorte mia" und "Brilla nell alma") für allseitiges Entzücken, zurecht, denn DiDonato lässt die Koloratürchen hüpfen, die Höhen leuchten, die Tiefen dustern. Ihr Timbre ist warm und rund, die Stimme zeichnet feine Facetten. Ein exaltiertes Outfit — sie trägt ein feuerrotes Stoffgetüm aus Vivienne Westwoods Werkstatt über weißer Pudermaske — und effektreich dosierte Gestik machen die Schau perfekt (und lassen sogar den einen oder anderen Metallkantenschlag beim Übergang von der Mittel- zur Spitzenlage vergessen). Soweit also alles im Lot.

Nachdem das Programm abgearbeitet ist, offenbart DiDonato sich locker und gelöst, plaudert mit dem Publikum, herzt Sinkovsky, scherzt und lacht. Und gibt mit Orlandinis "Col versar, barbaro" eine sängerisch wie schauspielerisch so perfekte, so lustvolle, so scharfe Zugabe, dass man nicht anders kann, als mitzutun im allgemeinen Getobe.