16 - 08 - 2018

Love Parade Duisburg

K. hat recht. Aus dem seichten Betroffenheitsgeseire, das den Blätterwald durchweht, ragt die Klarheit seiner Worte heraus wie ein Leuchtturm in untiefen Gewässern. Denn die kalkulierten Krokodilstränen, die derzeit allenthalben vergossen werden, wohlfeil und publikumswirksam, helfen nicht weiter. Sie sind Bestandteil in einem Mechanismus, der den nächsten "Mega-Event", und mit ihm die nächste Katastrophe, nur befeuert. Schon deswegen gehört sein Leserbrief kopiert im goldenem Rahmen neben die Schreibtische all derer, die sich von Amts wegen mit Kultur-, Erziehungs- und Bildungsarbeit befassen: als Anstoß, das eigene Tun zu hinterfragen, als Mutmacher, sich den vermeintlichen Zwängen, Kasse zu machen um jeden Preis, konsequent zu entziehen.

Was ist das für eine Politik, was ist das für eine Gesellschaft, die den inhaltsleeren Kitzel des Einzelnen höher schätzt als die Bildung seines Herzens und Hirns? Die Jugendarbeitslosigkeit toleriert und sie kanalisiert in Brot und Spiele? Die die Verdummung durch Privatfernsehen und andere "Errungenschaften" unserer "freien" Gesellschaft in Kauf nimmt, ja bewusst einsetzt, als Mittel gegen Rückgrat und Mündigkeit (- weil die ja im Wunsch auf Teilhabe enden könnten! -)? Die tumbe Vermassung befördert an Stelle der Stärkung des Menschseins?

Ja, K. hat recht: Die Vermassung ist ein zentrales Problem. Heute lassen sich die Teilnehmer von Massenveranstaltungen die Hirne rausblasen mit wummernden Bässen, morgen schreien sie im Fuballstadion "Sieg", und übermorgen, wenn der Richtige (der richtige Falsche) kommt, "Sieg Heil". Wer etwas anderes will, arbeite dagegen an, im Kleinen wie im Großen. Kultur beginnt im täglichen Miteinander, sie beginnt vor der eigenen Haustür, und sie ist "kleinteilig", das heißt: Sie ermöglicht Begegnung, Austausch und Reflektion. Deshalb sind Einrichtungen wie Jahnhalle oder Friedeburg (oder, mit Verlaub, die Warflether Marienkirche) so wichtig, wichtiger als jedes "Mega-Event".

Leserbrief, 2010

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