28 - 05 - 2018

Victor Hugo

Victor Hugo gelesen, Der letzte Tag eines Verurteilten. Der Schluss ist gelungen, genauer: die letzten beiden Worte: "Vier Uhr", Punkt, und dann nichts mehr, das Ungesagte ist viel schrecklicher als all die Worte vorher. Ansonsten eine eher schwache Fiktion, seltsam vage und blutleer. Sie soll angeblich geschrieben worden sein, um  "die Frauen der Staatsanwälte" im Herzen anrühren, aber das will nicht recht gelingen, denn wegen der Gebildetheit und Empfindsamkeit des sich selbst beweinenden Erzählers traut man dem eine die Todesstrafe verdienende Tat niemals zu, sein Denken ist dem der Frauen der Staatsanwälte viel zu nah, seine Sprache der ihren zu ähnlich, vieles wirkt gestelzt, aufgesetzt, der Zweck allenthalben zu spüren. Überzeugend, weil engagiert, mit Herzblut geschrieben dagegen die um drei Jahre später datierte Einleitung, ein vom Glauben an die Menschenwürde beseelter Appell an die Politik, flammende Geißelung ihrer Bigotterie, ein geschichtskundiger Essay dazu, voll visionärer Kraft. Wie realitätsnah und gesellschaftsverbunden ist dieser "Romantiker" aus Frankreich doch neben den deutschen! Und dann seine kraftvollen Rötel- und Kohlezeichnungen! Man könnte sich ständig  in Hugo legen und sich suhlen in ihm!

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